Hüttendorf-Zone: Vier Brachen für Experimente

    Der Gemeinderat nimmt nach 1996 einen neuen Anlauf für die Schaffung einer Hüttendorfzone. Vier Areale werden nun genauer geprüft. Voraussichtlich im November 2011 wird das Stimmvolk darüber entscheiden.

    Das Votum liess an Deutlichkeit nichts zii wünschen übrig. Mit über 6o Prozent lehnten die Bernerinnen und Berner am 10. März 1996 die Schaffung von zwei Hüttendorfzonen in der Felsenau und beim Autobahnzubringer Neufeld ab. Nun wagt der Gemeinderat eine Neuauflage: Er plant, im Herbst 2011 ein zweites Mal darüber abgestimmt zu lassen, ob in Bern eine «Zone für Wohnexperimente» geschaffen werden soll. Dort fänden Wohnwagengruppen  künftig legal einen Standplatz. Dies teilte die Regierung gestern mit.

    Kredit von 60 000 Franken

    Als ersten Schritt hat der Gemeinderat nach «vertieften Abklärungen » vier Areale an den Standorten Riedbach, Neubrück, Hasli (Eymatt) und Fussacker (Nähe Matzenried) ausgeschieden. Drei der Grundstücke gehören den stadteigenen Stadtbauten, eines der Burgergemeinde. Die vier Standorte werden nun auf ihre Eignung hin geprüft. Der Gemeinderat hat dafür einen Kredit von 60 000 Franken gesprochen. Im Spätsommer diesen Jahres will der Gemeinderat den Standortentscheid fällen und den Planungsentwurf der Öffentlichkeit zur Mitwirkung unterbreiten.

    Die Zeit sei reif für eine «breite öffentliche Debatte», lässt Stadtpräsident Alexander Tschäppät in einem Communique mitteilen. Eine Zone für Wohnexperimente stelle eine «pragmatische Lösung» dar, mit welcher «das Problem» dauerhaft gelöst werden könne. Der Gemeinderat sei überzeugt, dass es in einer «liberalen und modernen Gesellschaft auch Platz haben muss für Menschen, die unkonventionelle Wohnformen ausprobieren wollen».

    Kritik von rechts

    Wenig überraschend sieht dies der SVP-nahe Bund der Steuerzahler ganz anders: Mit dem Vorhaben werde dem «Druck linker und linksextremer Kreise aus dem Dunstkreis Reitschule-Zaffaraya-Stadttauben» nachgegeben, schreibt Geschäftsführer und SVP-Grossrat Thomas Fuchs in einer Mitteilung. Er kündigt eine Aufsichtsanzeige beim Regierungsstatthalter an. Dies weil die Hüttensiedlung Zaffaraya bei der Autobahneinfahrt Neufeld seit Jahren illegal sei. Tatsächlich wurde das Grundstück tuie umgezont. Doch die ZaffaraW-Bewohner werden vom Bund, vielchem das Land gehört, eh nur auf «Zusehen hin» geduldet, wie der Gemeinderat in sein einem Communiqué schreibt. In der geplanten neuen Hüttendorfzone müssten also nebst «Stadttauben» und «Stadtnomaden» auch die Zaffarayaner Platz finden. Ob das funktionieren kann, ist höchst fraglich. Die Stadt hat nämlich bereits mehrfach versucht, etwa die «Stadttauben» ins Zaffaraya zu verfrachten. Die «Stadttauben» haben das jedoch stets abgelehnt.

    Kritik von «Stadttauben»

    Einzelne Mitglieder der «Stadttauben » haben die geplante Zone denn auch bereits kritisiert. Sie fordern stattdessen die Schaffung «juristischer Grundlagen», welche es ihnen erlaubt, ohne langwierige Umzonungen oder Bewilligungsverfahren auf privaten Grundstücken länger als drei Monate zu bleiben.

    Folge des Runden Tisches

    Die Neuauflage der Hüttendorfzone hat der Gemeinderat mehrfach angekündigt. Im Oktober 2008 berief Stadtpräsident Alexander Tschäppät einen runden Tisch ein, weil Wohnwagengruppen seit Jahren mit Behörden und Grundbesitzern Katz und Maus spielen. Als Fernziel wurde die Schaffung einer, Hüttendorfzone formuliert. Auch eine Übergangslösung, ein Rotationssystem, wurde erarbeitet. Daran halten sich indes nur die «Stadtnomaden». Die «Stadttauben» besetzen weiterhin illegal Grundstücke - aktuell gerade in Bümpliz.

    (Andreas Zurbriggen, BernerZeitung, 15.05.10)

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